Digital Pianos & Elektronische Orgeln

Sowohl das Digitalpiano als auch die elektronische Orgel zählen zur Gruppe der Tasteninstrumente. Mit ihren Vorgängern haben diese Musikmedien jedoch wenig gemein. Das Salonklavier, das dem Digitalpiano als Inspiration diente, verfügt über kleine Hämmer und Saiten. Die Kirchenorgel indes versteht sich als aerodynamische Apparatur, bei der die Pfeifenschlitze für die Tonerzeugung sorgen. Im Jargon der Musikwelt kursieren das Digitalpiano und die elektronische Orgel auch unter den Bezeichnungen E-Piano und Heimorgel. Nicht zwangsläufig müssen hier Geräte älteren Baujahrs gemeint sein. Manchmal haben sich User und Verkäufer im Wortschatz noch nicht umgestellt.

Manuale und Anschlagsdynamik

Dass die Digitalpianos mit 76 Tasten ausgestattet sind, stellt den Standardfall dar. Japanische, US-amerikanische und deutsche Hersteller halten die Regel auch strikt ein. Bei den Orgeln hat sich bislang noch keine Konventionsnorm durchgesetzt, sodass die Tastenzahl zwischen 112 und 121 variiert. Was Digitalpianos und Hausorgeln außerdem unterscheidet, sind die Manuale. Digitalpianos besitzen 1 durchgängiges Manual, während die Orgelklaviatur sich üblicherweise in 2 Manuale gliedert. Bei der Orgel sind die Manuale versetzt zueinander angeordnet. Das kommt der Sitzergonomie des Spielers sehr zugute.

Die Anschlagsdynamik war das Feature, das den modernen Klangwundern fehlte, um der mechanischen Konkurrenz Paroli zu bieten. Taktile Sensoren, die unter den Druckknöpfen angebracht wurden, beseitigten das Problem ein für alle Mal. Digitalpianos und elektrische Orgeln der neuen Generation arbeiten mit Erkennungsfeldern, die auch den Zusammenhang von Schnelligkeit des Spiels und der sich dadurch ergebenden Anschlagsstärke mitberücksichtigen. Dem liegt konkret ein computerisiertes Verfahren zugrunde.

Soundqualität und Konnektivität

Das E-Piano hat im Gegensatz zu den Synthesizern und Keyboards nur eine begrenzte Auswahl, was das Soundspektrum angeht. Der klassische Flügel, das Cembalo und das Vibrafon (Glockenspiel) sind meist auf der Schaltknopfleiste vorhanden. Streicher sind nicht immer eingefasst; das Ganze scheint auch eine Frage des Preises zu sein. Die Sounds sind in digitalisierter Form auf den Chips abgespeichert. Mit dem jeweiligen Knopfdruck aktiviert man die entsprechende Sounddatenbank. Für die E-Orgel gilt das Gleiche. Der ekklesiastische Leierkasten hat allerdings keine Buttons, sondern kleine Hebelchen, durch deren Umkippen man dann die einzelnen Instrumente anwählt. Dadurch, dass die Digitaltechnik auf chronologisch isolierte Datensätze zurückgreift, wird die Reinheit und die Authentizität des Sounds gewährleistet. Das englische Akronym MIDI (Musical Instrument Digital Interface) beschreibt die Fähigkeit vieler Digitalpianos und E-Orgeln, Informationen mit anderen Instrumenten und Rechnern zu teilen und auszutauschen. Der Transfer erfolgt hier per Kabel. Das Kabel mit dem passenden Adapterstück muss dafür — wie vorgesehen — in die sogenannte MIDI-Buchse eingestöpselt werden. Das MIDI-Konzept erlaubt es, das heimische Instrument mit dem iPad, mit dem PC oder sogar mit dem alten Atari-Computer zu vernetzen. Sicherlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die W-LAN-Verzweigung auch auf diesem Gebiet Furore machen wird.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile der Digitalpianos und der elektronischen Orgeln gegenüber ihren mechanischen Pendants liegen auf der Hand: Die Geräte sind einfacher zu transportieren, die Lautstärke ist individuell regelbar, und die Musikinstrumente müssen nicht jedes Jahr aufs Neue gestimmt werden. Zudem ist in vielen dieser Klangerzeuger ein Metronom integriert, und ein „Transpose-Schieber“ kann sich als nützlich erweisen, wenn die Noten auf dem Papier ganz und gar nicht zu der eigenen Stimmlage passen. Der Nachteil der digitalen Melodieboxen besteht einerseits darin, dass man durch sie auf das Stromnetz angewiesen ist. Zum anderen können Temperaturschwankungen bei diesen Geräten dazu führen, dass sich das Plastikgehäuse verzieht und dadurch peu à peu das passförmige Arrangement der Elektroplatinen durcheinandergebracht wird.